Eine Frage taucht in jeder Balkonkraftwerk-Diskussion früher oder später auf: Was passiert eigentlich mit meinem Stromzähler, wenn ich mehr produziere als ich verbrauche? Und stimmt es, dass alte Zähler dann rückwärts laufen?
Ja, alte Ferraris-Zähler laufen tatsächlich rückwärts
Die klassischen schwarzen Zähler mit der Drehscheibe (Ferraris-Zähler) kennen keine Richtung - wenn dein Balkonkraftwerk mehr einspeist als du gerade verbrauchst, dreht sich die Scheibe rückwärts und dein Zählerstand sinkt. Klingt erstmal wie ein Gratis-Bonus, ist aber rechtlich heikel: Damit würdest du für den eingespeisten Strom den vollen Strompreis "gutgeschrieben" bekommen, was dir eigentlich nicht zusteht.
Die gute Nachricht: Du musst nichts selbst organisieren
Seit dem Solarpaket I gilt eine Übergangsregelung: Du darfst dein Balkonkraftwerk auch mit einem alten Ferraris-Zähler sofort in Betrieb nehmen - der rückwärtslaufende Zähler wird vorübergehend geduldet. Der Netzbetreiber erfährt durch deine Anmeldung im Marktstammdatenregister automatisch von deiner Anlage und tauscht den Zähler dann von sich aus gegen einen Zweirichtungszähler. Du musst weder anrufen noch etwas beantragen.
Wie läuft der Zählertausch ab?
- Nach deiner Anmeldung im Marktstammdatenregister meldet sich der Messstellenbetreiber meist innerhalb einiger Wochen bis Monate
- Du bekommst einen Termin für den Tausch - dauert vor Ort ca. 15-30 Minuten
- Während des Tauschs ist der Strom kurz weg, danach läuft alles normal weiter
- Der neue Zähler zählt Bezug und Einspeisung getrennt
Was, wenn der Tausch ewig dauert?
In der Praxis lassen sich manche Netzbetreiber Zeit - Monate sind keine Seltenheit. Das ist für dich unkritisch: Solange der alte Zähler noch hängt, gilt die Duldung weiter. Du machst dich nicht strafbar und musst deine Anlage auch nicht abschalten. Wichtig ist nur, dass deine Anmeldung im Marktstammdatenregister ordnungsgemäß erfolgt ist.
Fazit
Der Stromzähler ist beim Balkonkraftwerk kein Hindernis mehr: alte Zähler werden geduldet, der Tausch passiert automatisch und kostenlos. Einfach anmelden, einstecken, und den Rest erledigt der Netzbetreiber von selbst.